Saarbrücker Zeitung 22.12.2003 

Bühnenkünstler vom Brennenden Berg


Dudweiler Statt-Theater verwandelt Stücke seit 15 Jahren mit Leidenschaft und Können in Unterhaltung mit Tiefgang

Ruth ROUSSELANGE

Geschichten ein Gesicht geben. Ideen, Ideale von der Bühne in die Herzen der Fans tragen. Wer das seit 15 Jahren kann, der darf feiern. Dudweilers Statt-Theater tat's. Stolz, deftig, pfiffig. Und voller Tatendrang
Dudweiler. Deftig gab's da was zu feiern im Dudweiler Statt-Theater: 15 Jahre enthusiastisches Amateurtheater, inbrünstiger Einsatz für die Kunst mit Angstschweiß, Lampenfieber und Euphorie. An die 30 Eigenproduktionen. Nach langer Suche schließlich eine eigene Spielstätte gefunden. Und zu dem gemacht, was sie ist. Das Haus am Brennenden Berg ist Sitz einer Truppe idealistischer Theaterfanatiker. Heute hat sich das gut gelaunte Team in den Festtagsfummel geschmissen und erst mal ein Gruppenfoto gemacht. Sonja Schuler, zuletzt zu sehen als poetischer Bär, trägt rosa Stola, der überwiegende Rest glänzt im festlichen Schwarz. Und dann kramen sie Highlights aus vergangenen, aber nicht vergessenen Tagen aus, Lieblingsstücke, Sketche und schaurige Moritaten. Scheint der Scheinwerfer oder nicht? Und wenn nicht, kann man da überhaupt was machen? Muss man ganze Straßen aufreißen? Dieter Meier im Blaukittel gibt Karl Valentins „Scheinwerfer“ den Rest. Verheddert sich im Metermaß, klemmt seinen Lehrbub (Karin Schmidt) in die Stehleiter und bedient sich einer sehr unflätigen Ausdrucksweise, aber das gar köstlich: „Du Hundskrippel, du mistiger, wo haste denn dei Saukopp?“

Loriot und Schauergeschichten
In Loriots Badewanne tummeln sich Frau Müller-Lüdenscheidt (Rita Malchareck) und Frau Dr. Klöbner (Karin Schmidt). Hinter hübschen Kacheln wird sehr trocken diskutiert über baden mit und ohne Wasser und Ente raus oder rein. Und die prächtigen Moritaten erst. Etwa die über das wonnige Geschwisterpaar Almut und Adele, dessen eine Hälfte durch den angebohrten Bürzel einer Gummiente ein vorzeitiges Ende nimmt. Oder die schröckliche Geschichte von Schleusenwärters blindem Töchterlein, wo's eine ganze Großfamilie, hier superkomisch gespielt mit Puppen, kunstvoll dahinrafft. Auch der Mackie Messer darf natürlich nicht fehlen. Und bei der Linie 1, 1995 ein großer Erfolg für die Leute vom Statt-Theater, gerät die begeisterte und begeisterungsfähige Truppe schier aus dem Häuschen. Da sitzt ein Großteil der Mannschaft auf der Bühne und singt vom Gegenüber, und im Publikum singt es mit. Das Urmeli muss auch her, das liebten und lieben hier noch immer alle. Frenetisches Gejuchze, hysterisches Gekreische: Urmeli, wo bist du? Nein, ohne Urmel macht's keinen Spaß. Auch die armen Mäuse werden wieder gequält. Wer ist schuld daran? Na, Monty Python's Flying Circus natürlich.

Theater mit Gut-drauf-Gefühl

Berthold Blaesius packt den Holzhammer und macht den kleinen Viechern an der Mäuseorgel brachial den Garaus. Und wie wir uns bei Obstangriffen verhalten müssen, das hat uns dieser höchst unterhaltsame Abend auch gelehrt.

Fehlen nur noch die Jungen Wilden, die gar nicht so heißen wollen. Ja, aber wer hat's denn erfunden? Die Schweizer etwa? Jung sind sie auf jeden Fall, und Theater machen sie ziemlich fetzig mit einem lockerem Gut-drauf-Gefühl. Da redet der Herr (Jochen Sauer) recht unorthodox mit Mephisto (Andreas Blaesius) beim Tee, derweil sich die Erzengel etwas merkwürdig benehmen. Sandra Klein und Linda Walgenbach liefern eine beeindruckende Version von „Summertime“, und zwei Damen aus'm Milieu (Walgenbach/Melanie Becker) besingen ziemlich scheinheilige Herren. Zum Abschluss gibt es ein glaubwürdig-schwärmerisches Bekenntnis aller Beteiligten zum Statt-Theater und seiner inzwischen recht großen Truppe.

Gern arbeiten sie zusammen, und Produktives kommt dabei raus. Viel hat sich getan seit der Gründung 1988, etliches wurde auf die Beine gestellt, und der Spaß dran schwappt rüber.

Darauf kann man mit Fug und Recht stolz sein. Ob Kuddel-Muddel, Crazy oder Novecento, die Statt-Theatler bringen's. Und das wird sich, auch dank der Jungen Wilden, in Zukunft nicht ändern. Aber jetzt wird erstmal der Geburtstagssekt geleert bis zur Neige. Ruth ROUSSELANGE