Saarbrücker Zeitung, 22.04.02

Gabeln, Gummihühner und Pistolen

Dem Dudweiler Statt-Theater glückt mit seinem "Fliegenden Zirkus" eine rabenschwarze Revue besten britischen Unfugs

Dudweiler. Die Wimpern-Tusche, die diesem brachialen Angriff auf die Kicher-Tränen standhält, muss erst noch erfunden werden. Eigentlich könnte man vom Dudweiler Statt-Theater verlangen, dass es einen Visagisten bereitstellt, um die zerlachten Gesichter nach der Vorstellung wieder in Fasson zu bringen. Anlass der ästhetischen Sabotage? "Statt-Theater's Fliegender Zirkus", frei nach Monty Python. Premiere war am Freitag. Der neueste Coup der Truppe mit fester Spielstätte am Brennenden Berg hält, was der Vorgeschmack darauf im Vorprogramm zu "Comedy im Herbst" letzten Jahres verhieß: Diese Revue rabenschwarzen britischen Unfugs wird sich garantiert zum Dauerbrenner entwickeln. Der fliegende Zirkus nach Art des Hauses entpuppt sich als nahtlos verknüpfter Reigen des Nonsens, mit schwungvollen Übergängen von einem haarsträubenden Sketch zum nächsten, gespickt mit Wortspielen, Verwechslungen und unerwarteten Wendungen.

Die Witze-Polizei, Sonderkommission Überfallkommando der leichten Unterhaltung, ist im Dauereinsatz und verteilt Knöllchen wegen permanenter Verstöße gegen das "Sketche ohne anständige Pointe beenden"- und das "Nicht vor den Kindern!"-Gesetz. Freunde eines Humors feinsinniger Prägung seien allerdings gewarnt: Was die fünf Jungs, ein Mädel und eine Ziege (samt "Geißenpeter" Dieter Ewerling) hier in memoriam der Heiterkeits-Anarchos von Monty Python anrichten, ist nichts für zart Besaitete. Berthold Blaesius an der Mäuse-Orgel etwa, der seinen flauschigen Klangkörpern mit dem Hammer zu Leibe rückt, ist ein Fall für den Tierschutz, und auch sonst geht's robust zu. So mancher Konflikt wird blutrünstig gelöst - Gabeln, Gummihühner und Pistolen tun da wohlfeile Dienste, um unerwünschte Nebenbuhler auszuschalten. Oder um unwillige Rekruten zu disziplinieren, die im "Selbstverteidigungs-Kurs gegen frisches Obst" unter Feldwebel Volker Meyer keinen beerenstarken Einsatz zeigen. Etliche Klischees werden erst gepflegt und dann gegen den Strich gebürstet: Die schöne Krankenschwester-Nonne (Ina Deckert) hat es faustdick hinter der Keule, der raue Holzfäller trägt Tuntenfummel unterm Karohemd...

Ein glänzend aufgelegtes Ensemble, dem Regisseurin Sandra Klein in der Pause noch mal ordentlich Dampf gemacht zu haben scheint, gibt hier alles. Und erntet reichlich Szenenapplaus, vor allem der überragende Dieter Meier, der das Premieren-Publikum mit jedem grandiosen Auftritt zu Begeisterungsstürmen hinreißt. Glänzend auch Markus Bramer und Gerhard Wagner, die beide in unterschiedlichsten Rollen enorme Wandlungsfähigkeit demonstrieren. Zum Abschluss gibt's ein als wissenschaftlichen Vortrag über Slapstick getarntes, schamloses Zugeständnis an die Schadenfreude: Törtchen landen auf Wangen und anderen edlen Körperteilen. Riesenapplaus. Kerstin Krämer